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Mein Hund hat Angst beim Tierarztbesuch: Was kann ich tun?

| Kleintiermedizin

Die Verhaltensforscherin Stephanie Hedge aus Großbritannien hat herausgefunden, dass knapp 80 % aller Hunde während der tierärztlichen Behandlung Angst zeigen und nur weniger als die Hälfte die Praxis ohne Angst betritt. Ungefähr 10 % der Hunde werden in den Untersuchungsraum gezogen oder getragen. Dass ein Hund Angst vor dem Tierarztbesuch hat, ist ein häufiges Phänomen. Es lohnt sich darüber nachzudenken, wie man eine solche Situation mit dem eigenen Hund besser meistern kann.

Bei einer Studie von Forschern in Kanada hat sich darüber hinaus herausgestellt, dass Hunde, deren Besitzer*innen mit in den Untersuchungsraum gehen, weniger Angst zeigen als die, die allein untersucht werden. Das gilt allerdings nur für Besitzer*innen, die selbst ruhig und entspannt bleiben. Sollte der*die Besitzer*in selbst nervös und angespannt sein, ist es empfehlenswert, den Hund mit dem Personal der Klinik oder der Tierarztpraxis allein zu lassen. Das Ziel sollte sein, sowohl Personal und Besitzer*innen vor möglichen Bissen zu schützen als auch den Hund von negativen Erfahrungen fern zu halten. Bei besonders ängstlichen Hunden ist es nützlich, die Praxisräume erst zu betreten, wenn keine andere Artgenossen anwesend sind. Außerdem sollte man genug Zeit einplanen, sodass sich der Hund langsam fremden Personen nähern und den Raum selbstständig erkunden kann. Wenn Sie also die Erfahrung gemacht haben, dass Ihr Hund ängstlich reagiert, sollten Sie das Personal der Klinik bei der Terminvergabe darauf hinweisen.

Gestresste Tiere sollte man niemals direkt ansehen, sich nicht über sie beugen und sich ihnen nur langsam nähern. Wichtig ist, dass das Personal und die Besitzer*innen Berührungen so kurz wie möglich halten und unnötige Bewegungen vermeiden. Zeigt der Hund Drohgebärden, muss die Untersuchung abgebrochen werden. Oft ist es nützlich, dass der*die Besitzer*in bestimmte Bewegungen, die er schon zu Hause trainiert hat, auch beim Tierarztbesuch selbst ausführt wie zum Beispiel Lippe heben, Stethoskop platzieren etc. Die deutsche Verhaltensspezialistin Dr. Anja Gold hat herausgefunden, dass je mehr Körperoberfläche beim Festhalten des Patienten gleichzeitig berührt wird, desto ruhiger verhält dieser sich. Das kommt daher, dass durch die Berührung der Körper des Hundes mehr Oxytocin produziert, ein Hormon, das beruhigend wirkt. Daher rät sie dazu, zum Beispiel bei Injektionen die gegenüberliegende Körperseite mit einer Hand leicht angedrückt zu halten. Beim Festhalten des Patienten sollte man versuchen, den Hund am eigenen Körper mit möglichst viel Berührungsfläche leicht anzudrücken. Man sollte aber die komplette Immobilisierung vermeiden, da sonst der Hund das Gefühl der Ohnmacht bekommt.

Feste Rituale sind für die Kooperation zwischen Hund und den behandelnden Menschen wichtig. Deshalb gilt es, bei wiederkehrenden Untersuchungen immer die gleichen Handlungen einzuhalten. Ein Beispiel: bei der Adspektion des Halses könnte ein Ritual sein, dass wenn der Hund die Nase nach oben führt, dieser eine kleine Futterbelohnung erhält. Beim Wiegen könnte er vorher oder auch danach eine Belohnung bekommen. Manche Hunde machen das nach kurzer Zeit ganz von allein und sind sichtlich stolz zu zeigen, dass sie wissen, wie es geht. Doch nicht alle Hunde lassen sich trainieren und wenn eine gefahrlose Untersuchung nicht möglich ist, sollte man zum Schutze von Mensch und Tier auf bewährte Maßnahme wie einen Softmaulkorb zurückgreifen. Wenn selbst diese Maßnahmen eine relative stressfreie Untersuchung des Hundes nicht gewährleistet kann, gilt es, als ultima ratio eine Sedation oder Narkose in Erwägung zu ziehen.

Es lohnt sich also, früh einen Welpen an mögliche Behandlungssituationen zu gewöhnen und Rituale einzuüben, die dem Hund bei Besuch der Tierarztpraxis gewisse Sicherheiten und eine angstfreie Grundstimmung verleihen. Unsere Empfehlung an unsere Patientenbesitzer*innen lautet daher: Planen Sie beim ersten Impfbesuch mehr Zeit ein, so dass der Welpe zuerst in die Praxis zum Kennenlernen des Personals und Erkundung der Umgebung begleitet werden kann. Die Impfung sollte z.B. erst nach einem mind. 10-minütigen Spaziergang erfolgen. Obwohl zeitintensiv, lohnt es sich auf jeden Fall, weil jeder zukünftige Tierarztbesuch dadurch für Mensch und Tier angenehmer und einfacher werden wird.

 

Quellen:
VetImpulse Nr. 3 - 1. Februar 2021
Der Praktische Tierarzt 102, Heft 02/2021